Sonntag, 9. August 2009

Virologen kongress empfiehlt längere Sommerferien - Schweinegrippe


Trotz steigender Anzahl von Schweinegrippefällen soll das neue Schuljahr in den meisten Bundesländern wie vorgesehen beginnen. Nur Nordrhein-Westfalen erwägt eine Ferienverlängerung. Auch im Fußball kommt es zu Verzögerungen.

Im Kampf gegen die Schweinegrippe empfiehlt der Virologe Alexander Kekulé eine Verlängerung der Schulferien, um die Ausbreitung einzudämmen. Auch Kindertagesstätten sollten einbezogen werden, da vor allem Schulen und Kitas die Drehpunkte einer Pandemie seien, sagte der Direktor des Instituts für medizinische Mikrobiologie am Universitätsklinikum Halle. Das Bundeskabinett will kommende Woche die Impfverordnung beschließen, die ab Herbst zunächst bei Risikogruppen durchgeführt werden sollen.

Eine Verlängerung der Schulferien hält der Immunologe Reinhold E. Schmidt allerdings für nicht notwendig. «Dies wird an der Ausbreitung der Grippe nicht viel ändern», sagte Leiter der Klinik für Immunologie an der Medizinischen Hochschule Hannover. Schließlich seien die meisten Fälle von Schweinegrippe aus dem Ausland eingeschleppt worden. «Aus medizinischer Sicht handelt es sich nicht um eine besonders bedrohliche Erkrankung», betonte Schmidt.

Die Zahl der bestätigten Schweinegrippefälle in Deutschland erhöhte sich bis zum Dienstagmittag um 786 auf 7963, wie das Robert-Koch-Institut (RKI) mitteilte. Beim Großteil der Neuinfizierten, nämlich 597, handelt es sich weiterhin um Reiserückkehrer. Die meisten Erkrankungen gibt es mit 3084 Fällen in Nordrhein-Westfalen.

Kekulé rechnet zum Ende der Schulferien mit einem rasanten Anstieg der Schweinegrippefälle. Die Grippe verbreite sich unter Kindern schneller, weil sie die Hygienemaßnahmen nicht so stark einhielten wie Erwachsene, sagte der Experte dem Onlineportal handelsblatt.com. In der Pandemie-Zwischenphase, in der man sich gerade befinde, sei die Ferienverlängerung «durchaus eine naheliegende Maßnahme». Dies gelte aber nur dann, wenn die Zahl der eingeschleppten Fälle die der Ansteckungen vor Ort überwiege.

Nordrhein-Westfalen erwägt bisher als einziges Bundesland eine Verlängerung der Sommerferien, die dort planmäßig am 16. August enden. Eine Entscheidung soll kommende Woche fallen. Bremen, Niedersachsen, Sachsen-Anhalt und Thüringen, wo die Schule am Donnerstag wieder beginnt, sehen derzeit dagegen keinen Anlass, die Ferien zu verlängern. «Es gibt keine akuten Anzeichen für eine Gefährdung wegen der Schweinegrippe und damit keinen erheblichen Handlungsbedarf», sagte der thüringische Kultusminister Bernward Müller in MDR Info. Auch in Sachsen soll der Unterricht am kommenden Montag regulär starten.

Die Sprecherin des Bundesgesundheitsministeriums, Dagmar Kaiser, sagte, Mitte August werde das Kabinett die Impfverordnung beschließen, die unter anderem die Risikogruppen festlegt. Empfohlene Schutzimpfungen seien Pflichtleistungen der Kassen. Die am RKI angesiedelte Ständige Impfkommission werde eine Empfehlung abgeben und unterstreichen, dass die Impfung für jeden möglich sein solle.

«Ziel der Bundesgesundheitsministerin ist, dass jeder, der geimpft werden will, auch geimpft werden kann», sagte Kaiser. Das Ministerium stellte den Ländern die Verordnung Mitte Juli zu. Demnach sollen zunächst chronisch Kranke wie Asthma-, Herz-Kreislauf- und Diabetes-Patienten und Schwangere sowie Beschäftigte im Gesundheitswesen, bei Feuerwehr und Polizei geimpft werden.

Unterdessen hat der Schweizer Arzneimittelhersteller Novartis die nächste Testphase zur Entwicklung des Impfstoffs begonnen. Eine Person in Großbritannien sei vor etwa zehn Tagen als erste mit dem Wirkstoff injiziert worden, teilte Novartis-Sprecher Eric Althoff mit. Der Impfstoff soll ein Jahr lang an etwa 6000 Personen getestet werden, die Markteinführung soll aber wahrscheinlich bereits vor Abschluss aller Tests erfolgen.

Wegen Erkrankung zweier Spieler an Schweinegrippe beantragte der Fußballclub Hannover 96 beim DFB eine Verschiebung des Saisonstarts seiner zweiten Mannschaft.

(Quelle: http://www.news.de)

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